Zwischen den Alpen und Italien gelegen, bietet Kärnten eine einzigartige Mischung aus Berglandschaften, kristallklaren Seen, sonnigem Klima und einer reichen Kulturgeschichte.
Idyllisch. Himmlisch. Atemberaubend. Lauter Adjektive, die die eindrückliche Natur von Kärnten nur annähernd zu beschreiben vermögen. Denn wenn sich das Dolce Vita des Südens mit der üppigen Natur Österreichs verbindet, entsteht eine Mischung, die ansprechender nicht sein könnte. Alpen und Adria gehen hier eine spannende Symbiose der Gegensätze ein: Wilde Bergpanoramen, duftende Wiesen mit lila Drachenmaul und gelbem Ferkelkraut, dazu 28 Grad warme, türkisfarbene Badeseen; und das alles bei lieblichen Temperaturen. An geschützten Waldsäumen gibt es seltene Frauenschuh-Orchideen zu entdecken, und an den felsigen Berghängen leuchten die orangen Blüten der bezaubernden Krainerlilie. Hier sind sowohl alpine als auch mediterrane Arten zu Hause, was das Wandern für Botanikinteressierte zu einem besonderen Erlebnis macht. Die Naturregion Kärnten ist ein Schmelztiegel mit einer hohen Artenvielfalt, das spiegelt sich auch in der Tierwelt wider. So sind hier etwa Arten heimisch, die nach der letzten Eiszeit aus dem Mittelmeergebiet zuwanderten, wie die Kroatische Gebirgseidechse oder die Sandotter. Berühmter sind die «Big Five» der Alpen: Steinadler, Bartgeier, Schneehuhn, Steinbock und Gämse sind Sinnbild für die Biodiversität Kärntens.
Nationalpark Hohe Tauern: Kärntens beeindruckende Hochgebirgswelt erleben
Die grossen Stars der Region sind im Nationalpark Hohe Tauern mit etwas Glück auf Wanderungen zu beobachten. In diesem Reich der Superlative sind sie aber längst nicht die einzige Attraktion: Die Hochgebirgslandschaft besteht aus 300 majestätischen Berggipfeln mit über 3000 Metern Höhe und verfügt über ein entsprechend einzigartiges Panorama. Umspielt wird die wilde Berglandschaft von 342 Gletschern, 279 Bächen, 26 Wasserfällen und über 500 Seen. Mit fast 2000 km2 Fläche ist der Nationalpark Hohe Tauern das grösste Schutzgebiet Mitteleuropas und erstreckt sich über die drei österreichischen Bundesländer Kärnten, Salzburg und Tirol. Der Park beherbergt Österreichs höchsten Gipfel, den Grossglockner, der sich 3798 Meter über dem Meeresspiegel erhebt. Hier führt ein Gletscherweg zur Pasterze, dem grössten Gletscher der Ostalpen. Auf geführten Trekkingtouren erkunden die Teilnehmenden mächtige Gletscherspalten und können einen Blick ins Innere der Berge der Glocknergruppe erhaschen.
Grossglockner und Pasterze: Wanderungen mit Panorama und Gletscherblick
Wer den Gletscher lieber von oben sehen möchte, wählt den Gamsgrubenweg: Der alpine Steig verläuft hoch über der Pasterze. Der Ausgangspunkt für den beliebten Panoramaweg befindet sich auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe beim Grossglockner. Der Weg durch eine Reihe von Tunnels ist einzigartig und bietet zwischendurch immer wieder atemberaubende Ausblicke auf den Grossglockner, die Pasterze und die faszinierende Hochgebirgswelt. Im so genannten «Schatztunnel» erwartet die Wanderinnen und Wanderer eine Reihe interessanter Ausstellungen von der Sage des Pasterzengletschers bis zu den Bergschätzen Wasser, Kristall und Gold. Im Rahmen des Nationalpark- Sommerprogramms finden auf der Kaiser- Franz-Josefs-Höhe von Ende Juni bis Anfang September zudem Führungen mit Rangern des Nationalparks statt: So lässt sich die alpine Wunderwelt am Fuss des Grossglockners auf ganz besondere Weise entdecken.
Kulinarik in Kärnten: Regionale Spezialitäten und Slow Food erleben
Egal ob die Wanderung an einen Bergsee oder entlang eines Wasserfalls führt – bei der Planung sollte man unbedingt eine Zvieri-Pause miteinberechnen. Köstlichkeiten aus der Region machen selbst ein Picknick zum Fest, denn in Kärnten wird bei jeder Mahlzeit mit südlicher Leichtigkeit die Vielfalt zelebriert.
Die Kärntner Naturregion hat kulinarisch so einiges zu bieten: Das Lesach-, das Gail- und das Gitschtal sowie der Weissensee haben sich zur weltweit ersten Slow-Food-Travel-Destination entwickelt. Es lohnt sich also, auf Wanderungen ab und an in einer Almhütte, einer Gaststätte oder auf einem Hof mit Wirtschaft einzukehren und regionale Köstlichkeiten wie Kärntner Kasnudeln, Villacher Kirchtag suppe mit einem Stück Reindling oder Zuckerreinkerl zu probieren.
Radfahren in Kärnten: Auf dem Glockner-Radweg durch das Mölltal
Wer nicht so gut zu Fuss ist, unternimmt eine malerische Fahrt entlang der Grossglockner-Hochalpenstrasse, einer der berühmtesten Bergstrassen Europas. Dabei geht es 48 Kilometer durch drei Dutzend Kehren, von Bruck im Salzburger Land bis nach Heiligenblut in Kärnten, vorbei an Bergwiesen und eisbedeckten Gipfeln, Kühen und Schafherden, Wasserfällen und Almhütten. Entlang der Strasse gibt es zwölf Erlebniswelten zu entdecken, die mit In- und Outdoor-Erlebnissen für Abwechslung auf dem Ausflugsorgen.
Wer lieber auf zwei statt auf vier Rädern unterwegs ist, plant am besten eine Tour auf dem Glockner-Radweg durchs Mölltal. Der «R8» führt 80 Kilometer mitten durchs Hochgebirge und durch eines der schönsten Alpentäler Österreichs. Tipp vom Tourismusbüro: bergauf mit dem Radbus und bergab mit dem Velo. Der Radweg entlang des Möllflusses verbindet einzigartige Wassererlebnispunkte wie den Jung fern sprung- Wasserfall bei Heiligenblut, den Gartl-Wasserfall bei Grosskirchheim oder die Raggaschlucht in Flattach, wo prima ein Halt für ein Picknick eingelegt werden kann. Ein Abstecher nach Winklern lohnt sich aufgrund der sehenswerten Kristallausstellung im imposanten Mautturm ebenfalls.
Wasserfälle und Schluchten in Kärnten: Naturerlebnisse entlang der Berggewässer
Das Herz des Alpe-Adria-Raums ist durch ein riesiges Wassernetzwerk verbunden. Ob gemütlicher Spaziergang zu einem der schimmernden Bergseen oder anspruchsvoller Anstieg entlang eines Wasserfalls: An einem heissen Sommertag ist eine Wanderung am Wasser wunderbar erfrischend. Besonders zu empfehlen ist der Besuch einer der zahlreichen Wasserfälle mit einer Wanderung durch tiefe Schluchten. So führt etwa der Weg durch die Rabischschlucht entlang des schäumenden Mallnitzbachs, der kraft voll in die Tiefe rauscht. Faszinierende Felssturzszenerien und formschöne Auswaschungen, sogenannte Kolken, machen die Wanderung erlebnisreich. Aus der kühlen Dämmerung der Schlucht steigt man die ins helle Hochtal von Mallnitz. Hier bieten mehrere Aussichtsplatt formen einen grossartigen Blick auf das Wasser – besonders zur Schneeschmelze Ende April bis Mitte Juni ist die Wanderung ein Erlebnis.
Weitere schöne Naturregionen die es zu erleben gilt:
Wildes Norditalien: Natur in Hülle und Fülle
Schottlands sanfter Süden - von Küste zu Küste
Versteckte Naturschätze im Süden Frankreichs
NATURZYT Ausgabe Juni 2025, Text Helen Weiss

