Folgt man der Donau von Passau nach Budapest, gibt es neben zahlreichen Gärten auch vielfältige Naturlandschaften zu entdecken. Die Fauna kennt dabei keine Landesgrenzen – und fühlt sich sowohl in Deutschland, Österreich als auch Ungarn heimisch.
Duna, Dunaj, Dunav oder Donau – der breite Strom mit Quelle im Schwarzwald durchfliesst zehn verschiedene Länder – so viel, wie kein anderer Fluss auf der Erde. Begibt man sich auf dem Fluss auf eine Reise südwärts, ist vor allem der Streckenabschnitt ab dem deutschen Passau durch Österreich bis Budapest durchaus magisch. Neben den sehenswerten Grossstädten sind vor allem die atemberaubenden Landschaften entlang der Donau einen Stopp wert. So gilt die Wachau, das Gebiet zwischen Melk und Krems, als eines der schönsten Flusstäler Europas: Die Donau schlängelt sich majestätisch durch die Region; hier befindet sich mit dem Naturpark Jauerling-Wachau das erste Ziel auf der Etappe. Das Dach der Donau zwischen Wachau und Waldviertel liegt gegenüber der sagenumwobenen Burgruine Aggstein, die einen fantastischen Ausblick auf die beeindruckenden Täler, Steinterrassen, Wein- und Obstbaugebiete, Wiesen und Eichenwälder des Naturparks bietet. 960 Meter ragt der Jauerling empor – der höchste Berg an der 2850 Kilometer langen Donau überhaupt. Die Wachauer Trockenrasen und Jauerlinger Wiesen zählen zu den prominentesten Naturschutzflächen Österreichs: Die Trockenrasen stellen etwa den Lebensraum für das Grauscheidige Federgras dar, das auch Steinfeder genannt wird.
Naturpark Jauerling-Wachau: Tierwelt, Orchideen und seltene Arten entdecken
In den Jauerlinger Wiesen sind Gottesanbeterin und Sägeschrecke beheimatet. Daneben verschönern mehr als 30 verschiedene Orchideen-, Schmetterlings- und Insektenarten wie der Grosse Eichenbock oder der Apollofalter das Landschaftsbild. Und mit etwas Glück erhascht man sogar einen Blick auf das Wappentier der Wachau, die Smaragdeidechse. Ebenfalls ein prominenter Bewohner der Trockenwiesen ist das Ziesel: das eurasische Erdhörnchen bewohnt rund 80 Kilometerfluss abwärts auch den Naturpark Föhrenberge. Hier bevorzugt das Ziesel als Lebensraum ebenfalls ausgedehnte Trockenrasen wie die Perchtoldsdorfer Heide. Die kleinen Nager mögen es gern gesellig und leben in Kolonien. Das ausgedehnte Waldgebiet im Wienerwald, das von Mödling bis zum Südrand von Wien reicht, fällt daneben durch seine charakteristischen schirmförmigen Schwarzföhren auf, die im Volksmund auch gerne «Paraplui-Bäume» genannt werden.
Wienerwald und Donau-Auen: Wälder, Wiesen und urbane Naturerlebnisse
In Wien selbst locken neben dem Grossstadtleben auch urbane Erlebnisorte, die man nicht verpassen sollte. Die Gärten des Schlosses Schönbrunn erstrecken sich über 160 Hektar. Diese sorgfältig angelegte Anlage wurde 1779 für das Publikum geöffnet und bietet eine Vielzahl von Attraktionen, darunter Brunnen, Skulpturen und Themengärten. Spannende Einblicke bieten zudem «Die Garten Tulln»: Im Jahr 2008 als Landesgartenschau eröffnet, werden auf dem Gelände bis heute 70 rein ökologisch gepflegte Schaugärten als europäisches Vorzeigeprojekt präsentiert.
Geht es mit dem Schiff weiter flussabwärts Richtung Bratislava, liegt zwischen den beiden Städten eine der letzten verbliebenen grossen Auenlandschaften Mitteleuropas. Seit 1996 ist das Gebiet im Rahmen des Nationalparks Donau-Auen geschützt und ist bis heute eine Schatzkammer seltener natürlicher Lebensräume. Von seichten Kiesgewässern bis zu steilen Flussufern, von dichten Auwäldern bis zu weiten Feuchtwiesen beherbergt jeder Lebensraum eine Vielzahl von Arten. Über 800 Pflanzen-, 30 Säugetier-, 100 Vogel-, 60 Fisch-, 8 Reptilien- und 13 Amphibienarten sowie eine grosse Anzahl von Insekten und Wirbellosen tummeln sich hier. Zu den gefährdeten Arten, die besonderen Schutz geniessen, gehören der Eisvogel, der Seeadler, der Flussregenpfeifer, der Hundsfisch und die Europäische Zierschildkröte.
Nationalpark Neusiedler See: Paradies für Vögel und einzigartige Lebensräume
Rund 70 Kilometer weiter südlich befindet sich mit dem Neusiedler See ein weiteres Naturschutzgebiet. Der gleichnamige Nationalpark liegt an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich und umfasst eine Fläche von 97 km² und ist damit der drittkleinste Park Österreichs. Der Neusiedler See zählt zu den bedeutendsten Wasservogelgebieten Mitteleuropas: Wie ein Mosaik reihen sich ausgedehnte Schilfbestände, periodisch austrocknende Salzflächen, Wiesen, Weiden und kleinen Sandflächen aneinander. Neben Brutvögeln können hier während der Frühjahrs- oder Herbstmigration Zehntausende Vögel beobachtet werden, die den See als Zwischenstopp auf ihren jährlichen Reisen von und nach Afrika nutzen. Der Park ist ein Muss für alle Vogelfans, denn in diesem relativ kleinen Gebiet wurden 341 Vogelarten nachgewiesen.
Die Kreuzung von Wildtieren, die Kontinente überqueren, sowie die Verflechtung von einheimischen und wilden Arten ist eines der einzigartigen Merkmale des Nationalpark Neusiedler See. Przewalski-Pferde, seltene weisse Barockesel, Ungarische Langhornrinder und Wasserbüffel grasen gemeinsam auf den Feldern. Und wer auf leisen Sohlen durch die Wiesen und entlang des Ufers unterwegs ist, entdeckt mit der Grosstrappe und der Rotbauchunke vielleicht sogar die beiden ungewöhnlichsten Bewohnerinnen des Parks.
Nationalpark Donau-Ipoly: Artenvielfalt, Berge und seltene Käferarten
Kurz vor Ankunft in Budapest sollte unbedingt nochmals ein Halt eingelegt werden: Der Nationalpark Donau-Ipoly erstreckt sich im Norden Ungarns von der slowakischen Grenze bis zu den Aussenbezirken Budapests. Das einzigartige Merkmal des Nationalparkgebiets ist das Zusammentreffen der drei grossen Landschaftseinheiten: der Flusstäler, der Berge und der Ebene. Dazu gehören die abwechslungsreiche Landschaft der Pilis-, Visegrád- und Börzsöny-Berge, unberührte Abschnitte des Ipoly-Tals und Teile der Insel Szentendre. Der Nationalpark, der 1997 gegründet wurde, ist Teil des Natura-2000-Netzwerks. Sein Wahrzeichen ist der spektakuläre Alpenbockkäfer, der in den alten Buchenwäldern weit verbreitet ist. In den Börzsöny- Bergen gibt es eine wachsende Population von Weissrückenspechten und Luchsen. Ein besonderes Highlight im Frühsommer sind die Glühwürmchen: Wenn die Männchen mit ihrem leuchtenden Hinterteil auf der Suche nach einer Partnerin ausschwärmen, ist das nicht nur ganz schön romantisch, sondern auch magisch. Wie die Donau eben.
Donau Reise erleben: Botanische Kreuzfahrt von Passau bis Budapest
Die Donau zwischen Passau und Budapest mit ihren Naturparks, Wildpflanzen und botanischen Gärten lässt sich wunderbar auf eigene Faust oder im Rahmen einer geführten Expedition erkunden. Ein besonderes Highlight ist eine botanische Reise mit dem Gartenkunstexperten Manfred Rosenberger an Bord der Excellence Princess. Bequem per Schiff führt die Reise vorbei an wundervoller Natur von Passau über Melk, Wien, Budapest, Bratislava, Dürnstein zu den schönsten Gärten der Donau. Mehr Informationen zur botanischen Reise unter: www.excellence.ch
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NATURZYT Ausgabe März 2025, Text Helen Weiss, Fotos AdobeStock

