Die Meisterwurz hilft bei Verdauungsbeschwerden, Magenverstimmung und Bronchialkatarrh.
Wirkung der Meisterwurz bei Magen-Darm-Problemen und Husten
Die Hauptanwendungsgebiete der Meisterwurz sind Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Erkältungsbeschwerden. Zudem gilt sie als gutes Mittel bei Vergiftungszuständen, da sie hilft Giftstoffe aus dem Körper zu schleusen. Meisterwurz wirkt erwärmend und aufhellend auf die Psyche und stellt ein allgemeines Stärkungsmittel dar. Der Volksname «Brustwurz» zeigt den Bezug zu Erkältungskrankheiten und Bronchitis. Aufgrund ihres scharfen und aromatischen Charakters nutzte man sie als Mittel bei Erkrankungen der oberen Atemwege sowie bei Schnupfen.
Inhaltsstoffe und immunstimulierende Wirkung
Als Hauptwirkstoffe finden sich in der Meisterwurz Bitterstoffe, ätherische Öle und Gerbstoffe. Sie wirkt tonisierend, appetitanregend, verdauungsfördernd, blähungswidrig, entgiftend, antibakteriell, antiviral, immunstimulierend, schleimlösend und auswurffördernd.
Meisterwurz in der traditionellen Kräuterkunde
Hildegard von Bingen nutzte die Meisterwurz in Wein eingelegt bei Fieber und ansteckenden Krankheiten. Auch Paracelsus, der Einsiedler Arzt und Naturforscher, schätzte die Meisterwurz als Heilpflanze sehr und meinte: «Meisterwurz ist auch der fürnehmsten Kräuter eins, so zu vielen Gebrechen dienlich.» Er empfahl sie zum Schutz vor Ansteckung und Pest und sah in ihr ein gutes Mittel für die Leber. Der Arzt und Botaniker Leonhard Fuchs schrieb in seinem «Kräuterbuch» von 1543: «Der Meister aller Heilwurzen erwärmt durch seine extreme Schärfe den unteren Menschen und bringt die Verdauung in Gang und unterstützt die Reinigung des Dickdarms.» Pfarrer Künzle empfiehlt, bei Grippe, Typhus und Cholera täglich einen Teelöffel voll Meisterwurzpulver in einem Glas Rotwein zu nehmen. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts galt die Meisterwurz als «Wurz aller Wurze» und als Allheilmittel.
Standort und botanische Merkmale der Meisterwurz
Die Meisterwurz liebt es feucht und steinig. Sie siedelt gerne auf feuchten Bergmatten und an Gebirgsbächen bis 2000 Meter Höhe. Der hohle Stängel entspringt einem dicken, braunen Wurzelstock. Charakteristisch sind die dreilappigen, ungleich gezähnten Blätter, die am Blattgrund von einer bauchigen Blattscheide um - schlossen sind. Die weissen Blütenschirme weisen sie als Mitglied der Familie der Doldenblütler aus, zu der wichtige Heilpflanzen wie Kümmel oder Fenchel, aber auch sehr giftige Pflanzen wie Schierling, gehören. Aufgrund ihrer besonderen Heilkräfte geniesst die Meisterwurz bei Menschen, die die Pflanze aus ihrer Bergheimat kennen, seit jeher grosse Wertschätzung.
Herkunft des Namens Meisterwurz (Imperatoria ostruthium)
Imperatoria ostruthium, Meisterin aller Heilwurzen, wurde die Meisterwurz von den Botanikern im Mittelalter genannt. Der lateinische Gattungsname «Imperatoria» bedeutet «die Kaiserliche» und ist ein Hinweis auf ihre grossen Heilkräfte. Der Beiname «ostruthium» ist eine Abwandlung «astrantia – magiastrantia» und bedeutet Magister und Meister. Der heutige botanische Name ist «Peucedanum ostruthium» und der Gattungsname «Peucedanum» leitet sich vom griechischen «peuke» ab und bedeutet «Fichte» sowie «danos», was trocken, niedrig heisst.
Ernte und Aufbereitung der Meisterwurz
Hinweis: Es ist wichtig, die Pflanze sorgfältig zu bestimmen, um eine Verwechslung mit anderen, aber giftigen Doldenblütlern auszuschliessen. Für arzneiliche Zwecke wird der Wurzelstock verwendet. Beste Erntezeit für den Wurzelstock ist das frühe Frühjahr oder der Herbst. Nach dem Waschen trocknet man die Wurzel im Schatten. Alle Teile der Pflanze riechen aromatisch. Der Geruch erinnert an die Engelwurz und an Sellerie. Die Pflanze ist vielerorts schon geschützt. Man kann die getrocknete Wurzel in Apotheken oder Drogerien beziehen.
Als Gebirgspflanze trotzt sie Sturm und Kälte und signalisiert ihre innewohnenden Eigenschaften zur Verbesserung der physischen und psychischen Abwehrkräfte. Nach Kalbermatten verkörpert die Meisterwurz einen Menschentyp, der durch natürliches Selbstbewusstsein den inneren Seelenraum aus eigener Kraft von schädlichen Fremdeinflüssen freihält. Sie unterstützt und stärkt Menschen, denen es an innerer Kräfte der selbstverständlichen Existenzberechtigung mangelt.
Meisterwurz in der Traditionellen Chinesischen Medizin
Der Geschmack ist scharf, aromatisch und leicht bitter. Die thermische Qualität ist warm. Als Organe werden ihr Magen, Milz, Darm, Leber, Lunge und Niere zugeordnet. Meisterwurz wirkt insbesondere regulierend, bewegend und tonisierend auf das Qi und löst Schleim- Kälte auf. Sie findet Anwendung zum Beispiel bei Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Blähungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Abwehrschwäche, Husten, Asthma, Bronchialkatarrh.
Meisterwurz als Gewürz in der Küche
Die intensiv aromatische Meisterwurz kann man wie z.B. das engverwandte Liebstöckel als Gewürz in der Küche einsetzen. Die Blätter passen in Kartoffelgerichte, bereichern Gemüsegerichte und eignen sich für Kräuterbutter. Würzen mit gesunden Pflanzen unterstützt die eigene Gesundheit und die der Familie. Aufgrund ihres sehr intensiven, aromatischen Geschmackes sollte sie sparsam eingesetzt werden.
Liebe Leserin, lieber Leser, ich wünsche Ihnen viel Freude mit den Schätzen der Natur.
Ihre Ernestine
Kräuterkurse und Kräuterrundgänge mit Ernestine
Ernestine Astecker ist kant. appr. Naturheilpraktikerin und arbeitet in eigener Gesundheitspraxis in Fruthwilen, im Thurgau. In Kräuterkursen und auf Kräuterspaziergängen gibt sie gerne ihre Begeisterung, ihr Wissen und ihre Erfahrung über Heilpflanzen weiter. Nähere Informationen zum Kursangebot unter www.ernestine-astecker.ch oder Telefon 043 322 86 70.
Meisterwurz in der Kräuterapotheke
Meisterwurz-Tee und Tinktur – Anwendung und Dosierung
1 TL Wurzel mit kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. Täglich ein bis zwei Tassen trinken. Der Tee wird empfohlen zur Magenstärkung, bei Magenverstimmungen, Verdauungsstörungen, Husten, Bronchitis, Asthma, Schnupfen, zur Steigerung der Abwehrkräfte und des Stoffwechsels. Die Tinktur kann bei den gleichen Anwendungsgebieten eingesetzt werden wie der Wurzel-Tee.
Dampfinhalation mit Meisterwurz bei Bronchitis und Asthma
Bei Bronchitis und Asthma kann man eine Dampfinhalation mit der Wurzel durchführen. Dazu übergiesst man in einer Schüssel 2 EL fein geschnittene Meisterwurz mit einem halben Liter kochendem Wasser und inhaliert die Dämpfe etwa 10 Minuten lang.
Die Anwendung der angeführten Rezepturen erfolgt auf eigene Verantwortung und ersetzt keinen Arztbesuch. Eine Haftung der Verfasserin bzw. der Redaktion ist ausgeschlossen. Der vorliegende Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
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NATURZYT Ausgabe Dezember 2024, Text/Fotos Ernestine Astecker

